Untersuchungen an Supraleitern

schwebender Körper
  1. Die "jugend forscht" - Arbeit

  2.  

     

  3. Aktuelle Änderungen

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  5. großes Bild


1. Unsere Arbeit

1. Einleitung und Zielstellung

2. Grundlagen

  2.1 Geschichte der Supraleitung

  2.2 Physik. Grundlagen

3. Hauptteil

  3.1 Herstellung des Supraleiters

  3.2 Experimentelle Untersuchungen

  3.3 Auswerung


1. Einleitung und Zielstellung

"Wahrscheinlich wird die Menschheit im nächsten Jahrhundert mehr Energie benötigen als in ihrer ganzen bisherigen Geschichte." Die wohl bedeutendste Entdeckung der letzten beiden Jahrhunderte war die Elektrizität. Sie veränderte unser Leben in einem Maße, wie es sich selbst die Pioniere Voltaire und Ampère nicht erträumt hätten. Sie brachte unserer Gesellschaft Wohlstand, allerdings vermochte sie nicht, alle Probleme der explosionsartig wachsenden Menschheit zu lösen. Bereits heute werden die Rohstoffe (Kohle, Erdöl) rar. Man spricht von Energieknappheit oder Energiekrise. Eine Ursache hierfür sind sicherlich auch die "Verluste" an Elektrizität durch die elektrischen Widerstände der Festkörperleiter. Anzuführen wären z.B. Überlandleitungen oder auch die Umspannwerke an sich. Lösungen bietet hier die Möglichkeit der Supraleitung. Theoretisch wäre so eine verlustfreie Transportmöglichkeit von Energie gegeben. Allerdings liegen Theorie und Praxis weit auseinander. Es ist zwar möglich, supraleitende Materialien herzustellen, diese brauchen aber eine Sprungtemperatur von ca. 100 Kelvin, um den Strom widerstandsfrei leiten zu können. Dabei sind die Energien und Kosten für die Kühlung meist größer als die, die durch elektrische Widerstände verloren gehen. Deshalb ist es das Ziel heutiger Forschungen, Materialien zu finden und zu entwickeln, bei denen das Phänomen der Supraleitung bei möglichst hohen Temperaturen einsetzt. Die Maximalwerte liegen heute bei 125 Kelvin (Quecksilber - Barium - Calcium - Kupferoxid), also noch weit von der Zimmertemperatur entfernt. Eine einheitliche Theorie zur vollständigen Klärung des Problems gibt es noch nicht. Es konnten aber Teilerfolge erzielt werden. Nach heutigem Modell sind es Cooper - Paare, die das supraleitende Verhalten in Materialien realisieren. Cooper - Paare, benannt nach dem Physiker Leon N. Cooper, sind Elektronenpaare (oder allgemein Ladungsträger) die nicht mit den Teilchen des leitenden Mediums zusammenstoßen. Es gibt allerdings noch kein einheitliches Modell über die Entstehung der Paare, da stark zwischen rein metallischen Supraleitern (mit Sprungtemperaturen nahe des absoluten Nullpunktes) und keramischen Werkstoffen unterschieden werden muß. Sind diese Sachverhalte geklärt, gelingt es auch, Supraleitung bei noch höheren Temperaturen zu erzielen.

Ausschlaggebend für die Themenfindung waren Publikationen über dieses Thema. Da das Phänomen der Supraleitung kein Lehrplaninhalt ist, unser Interesse aber bestand, versuchten wir auf diesem Weg in die physikalischen Grundlagen der Supraleitung teilweise einzudringen. Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, das Verhalten von Supraleitern im Bereich ihrer Sprungtemperatur zu untersuchen, Messungen durchzuführen und diese auszuwerten, sowie modellhaft zu deuten.


2. Grundlagen

2.1 Geschichte der Supraleitung

Obwohl Supraleiter in unserer heutigen Technik eine noch sehr unbedeutende Rolle spielen, untersuchte der Physiker Heike Kamerlingh Onnes bereits 1911 die elektrische Leitfähigkeit von Quecksilber nahe des absoluten Nullpunktes (0 Kelvin). Seinen Vorstellungen zufolge nahm er an, daß bei diesen Temperaturen kein Stromfluß möglich wäre, da die beweglichen Elektronen sich fest an die Atome binden würden. Zu seiner Überraschung stellte er aber fest, daß bei Temperaturen unter 4,2 Kelvin der elektrische Widerstand des Quecksilbers schlagartig auf Null sank. Durch diese Entdeckung brach eine Welle der Euphorie durch die Wissenschaftskreise aus, da man meinte einen Weg gefunden zu haben, um elektrischen Strom verlustfrei über große Strecken transportieren zu können. Allerdings flachte die Welle sehr schnell ab, da bei hohen Strömen dieser Effekt zusammenbricht und es energetisch noch immer sehr aufwendig ist, die zur Kühlung notwendigen Temperaturen zu erreichen. Es wurden zwar Elemente gefunden, deren Sprungtemperatur etwas höher als die von Quecksilber lag (Blei, Niob), eine Erhöhung über 23,3 Kelvin erschien aber unmöglich. Erst 1986 gelang es dem Schweizer K. Alexander Müller und dem Deutschen J. Georg Bednorz die Sprungtemperatur auf 35 Kelvin zu steigern. Erlangt wurde dies nach langwierigen Experimenten durch eine neuartige keramische Verbindung - Lanthan-Barium-Kupferoxid. 1987 erhielten die beiden Wissenschaftler dafür den Nobelpreis. Die Verwendung keramischer Werkstoffe bildet auch die Grundlage der meisten heute gebräuchlichen Supraleiter. Es wurden Substanzen entdeckt, deren Sprungtemperatur oberhalb von 90 Kelvin liegt (wie das von uns verwendete YBa2Cu3O7). Die Materialien mit diesen Sprungtemperaturen werden als Hochtemperatur Supraleiter bezeichnet. Die derzeit höchste Sprungtemperatur, die Anwendungen in der Praxis ermöglicht liegt bei 125 Kelvin, da die dafür benötigten Kühlmittel technisch einfach zu realisieren sind. Ausgeschlossen ist heutzutage auch keine Supraleitung bei Zimmertemperatur mehr. Wahrscheinlich ist dies aber erst möglich, wenn eine schlüssige Theorie über das Phänomen Supraleitung an sich aufgestellt wird.

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2.2 Physikalische Grundlagen

2.2.1 Elektromagnetische Induktion
1820 stellte Oersted fest, daß durch bewegte Elektronen in einem Leiter Magnetfelder erzeugt werden. Diese Verbindung zwischen Magnetismus und Elektrizität, versuchte der Wissenschaftler Michael Farraday umzukehren. 1831 gelang es ihm zum ersten Mal, mit Hilfe eines Magneten Spannung zu "induzieren". Dieser Vorgang der Induktion wird heutzutage in fast allen Bereichen des Lebens genutzt; im Generator, im Transformator,... Die Umwandlung von kinetischer Energie in elektrische Energie wird im einfachsten Fall bei der Bewegung eines Leiters durch ein homogenes Magnetfeld realisiert. Es existiert aber auch noch eine weitere Möglichkeit dieser energetischen Umwandlung. Befindet sich ein Leiter in einem sich ständig ändernden Magnetfeld, wird ebenfalls ein Spannung hervorgerufen, die einen Induktionsstrom zur Folge hat .Grundsätzlich berechnet sich die Induktionsspannung mit der Änderung des gesamten Magnetischen Flusses ( in einer bestimmten Zeit, multipliziert mit der Anzahl der Windungen, die bei einem einfachen Leiter 1 beträgt. Der gesamte magnetische Fluß wiederum ist das Produkt aus der magnetischen Flußdichte B und dem Querschnitt A des Feldlinienbündels durch die Leiterschleife. Uind = -n ( d(/dt Das "-" vor dem gesamten Produkt resultiert aus der Lenzschen Regel. Sie besagt, daß die Induktionsspannung immer die Polarität besitzt, daß der aus ihr resultierende Induktionsstrom seiner Ursache, der Bewegung des Leiters, entgegenwirkt. Die Kraft, die die Elektronen bzw. den Leiter bewegt, nennt sich Lorentzkraft. Sie wird durch bewegte Ladungsträger in homogenen Magnetfeldern hervorgerufen.


2.2.2 Das Klassiche Modell der Supraleitung
"Zu keinem anderen Einzelthema wurden so viele Nobelpreise verliehen." Die Rede ist von dem Phänomen der Supraleitung. Bisher wurden fünf der begehrten Auszeichnungen vergeben, und es könnten weitere folgen, falls es gelänge, eine schlüssige Theorie zu diesen Problem aufzustellen. Mit der Entdeckung keramischer Werkstoffe gelang es zwar, die Sprungtemperatur im Bezug auf die rein metallischen Supraleiter (Quecksilber, Blei) um ein Vielfaches zu steigern, man ist aber noch immer weit von dem Ziel der Zimmertemperatur entfernt. Gerade deshalb suchen Forscher weltweit nach einer Erklärung der Supraleitung an sich. Erschwerend kommt hinzu, daß bisherige Modelle über Supraleitung bei Metallen, bei den relativ neuen keramischen Stoffen zu versagen drohen. Die "klassische" Theorie geht von der elektrischen metallischen Leitung aus. Sie besagt, daß ein metallischer Leiter aus positiven Atomrümpfen und freien Ladungsträgern, den Elektronen, besteht. Dabei werden bei anliegender Spannung die Elektronen durch das elektrische Feld beschleunigt. Im Idealfall könnten sich die Ladungselektronen frei bewegen, da der elektrische Widerstand Null wäre. Allerdings wird dieser Fall, bedingt durch die Eigenschaften metallischer Leiter, nicht erreicht. Erstens kommt es durch die äußere Temperatur zu Schwingungen der Atomrümpfe um ihre Eigenlage (Temperatur ist ein Maß für die mittlere kinetische Bewegungsenergie von Teilchen), und zweitens kommen Verunreinigungen der Leiter vor. Diesen Umständen ist es zu verdanken, daß es zu Gitterfehlern kommt und so ein homogenes Gitter nicht existieren kann. Die Ladungselektronen stoßen mit den Verunreinigungen zusammen oder werden von den schwingenden Atomrümpfen gestreut - der Stromfluß wird von einem Widerstand behindert. Das Absinken der Temperatur hin bis zum absoluten Nullpunkt zeigt die Abnahme des Widerstandes. Bedingt durch die Verunreinigungen ist er aber noch nicht Null. Außerdem schließen selbst so tiefe Temperaturen keine Wechselwirkung der Ladungsträger mit dem Gitter des Mediums, sowie die Abstoßung und somit Streuung der Elektronen untereinander aus. An dieser Stelle setzten die Forschungen ein. Der entscheidende Durchbruch gelang zunächst den Physikern Leon N. Cooper, John Bardeen und J. Robert Schrieffer in den 50er Jahren. Die nach ihnen benannte BCS - Theorie beschreibt, wie die Elektronen ihre gegenseitige Abstoßung überwinden, nicht an den Störstellen im leitenden Medium gestreut werden und sich zu den sogenannten Cooper - Paaren zusammenschließen. Erreicht wird diese Elektronenpaarbildung mit der Abschirmung des negativen Elektronenpotential durch die positiven Atomrümpfe. Damit wird die resultierende Abstoßungskraft zwischen den Elektronen verringert. Ein Elektron, das nun an den Ionen des Gitters vorbeiwandert, kann dessen Lage geringfügig verschieben. Diese zeitlich bedingten Verzerrungen werden in der Quantenphysik Phononen genannt. Durch diese Verformung bildet sich eine Region positiver Ladungsdichte aus, die wiederum ein zweites Elektron anzieht. Die Anordnung aus Leitungselektron und Gitterverzerrung (Phonon) wird als Polaron bezeichnet. Das zweite Elektron, das vom Bereich des ersten angezogen wird, bewirkt wiederum eine Verformung des Gitters und so eine Anziehung des ersten Elektrons. Vergleichendes Beispiel hierfür wären zwei Kugeln auf einem gespannten Bettlagen oder Gummimembran. Beide bewegen sich nicht. Sinkt aber eine der beiden Kugeln ein, bewegt sich auch die andere auf sie zu. In einem Supraleiter führt dies zum quantenmechanischen Effekt, daß sich Elektronen zu Cooper - Paaren verbinden, bei denen jeweils immer zwei Elektronen mit entgegengesetzten Impuls zum Gesamtimpuls Null korreliert sind. Daher gibt es keinen Impuls- bzw. Energieverlust bei der Wechselwirkung mit der Gitterstruktur. Dieser Effekt dehnt sich über den gesamten Supraleiter aus und bewirkt somit, daß der elektrische Widerstand gegen Null geht. Da die Bindungsenergie der Elektronen aufgrund ihrer Abstoßung sehr gering ist, setzt das supraleitende Verhalten der Materialien erst ein, wenn diese Bindungsenergie (E größer als die thermische Energie kT ist. kT < (E Diese Theorie von Cooper, Bardeen und Schrieffer ist die heute Gebräuchlichste. Sie wird in den meisten Lexika und Schullehrbüchern aufgezeigt. Allerdings hat sie den Nachteil, daß sie nur für Materialien gilt, deren Sprungtemperatur nahe dem Nullpunkt liegt. In keramischen Werkstoffen, die Sprungtemperaturen von bis zu 125 Kelvin haben, versagen Teile dieser Theorie. Die oben beschriebene Ungleichung würde ihre Gültigkeit verlieren, da die thermische Energie (bei um 100 Kelvin) größer ist als die Bindungsenergie der Cooper - Paare. Der Widerstand würde somit keinesfalls gegen Null gehen. Nach Meinung internationaler Wissenschaftler gibt es noch ein anderes Problem. Bei Materialien mit solch hohen Arbeitstemperaturen gäbe es eine sehr starke Wechselwirkung zwischen Elektron und Phonon (temporäre Gitterverzerrungen). Das bedeutet wiederum, daß die Struktur des leitenden Mediums so stark verzerrt würde, daß es wahrscheinlich eher ein Isolator als ein elektrischer Leiter wäre. Außerdem müssen im BCS - Modell die Elektronen energiereicher sein als die Phononen. Die Elektronen müssen sich viel schneller bewegen, damit das erste Elektron die Gitterverzerrung (Ion) passiert hat, ehe das zweite Elektron kommt. Ist der Abstand zwischen beiden groß genug wirkt sich die Abstoßung weniger aus. In Cupraten (keramischen Werkstoffen) aber sind Elektronen und Phononen etwa energetisch gleich. Dies bedeutet aber einen zu geringen Abstand der Cooper - Paare und damit das Versagen der Theorie. Aber auch wenn sich dieses Modell nicht in allen Punkten auf die neuen Materialien zuschneiden läßt, so ist man sich eigentlich einig, an den Cooper - Paaren festzuhalten. Man sucht "nur" neue Wege um den Mechanismus der Paarbildung zu erklären.

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3. Hauptteil

3.1 Herstellung des Supraleiters

Zur Herstellung von Supraleitern sind verschiedene Materialien geeignet, die sich in ihrer Sprungtemperatur unterscheiden. Wir benutzten YBa2Cu3O7 als supraleitendes Material, welches wir selbst herstellten. Die Ausgangsstoffe 0,565g Y2O3, 1,97g BaCO3 und 1,19g CuO wurden im trockenen Zustand 30 Minuten mit einem Spatel gemischt. Jetzt füllten wir dieses Gemisch in einen Hohlzylinder mit der Länge und dem Innendurchmesser von 2.5 cm. Der verschlossene Zylinder wurde mit dem Pulver in einem Schraubstock in Tablettenform gepreßt. Um ein Auseinanderfallen der Tablette zu vermeiden nahmen wir Spezialleim, der sich beim darauffolgenden Brennvorgang auflöste und damit keine Auswirkungen auf das Verhalten des Supraleiters hat. Dieser wurde in einem Keramikofen in 45 Minuten auf 930°C erhitzt und 12 Stunden konstant auf dieser Temperatur gehalten. Danach wurde die Probe weitere 12 Stunden lang schrittweise auf Zimmertemperatur abgekühlt. Bei früheren Versuchen, bei denen dieser Zeitraum nicht eingehalten wurde, entstand lediglich ein Material mit Halbleitereigenschaften. Bei unserem Supraleiter liegt die Sprungtemperatur bei 92 Kelvin, und somit ist flüssiger Stickstoff als Kühlmittel geeignet.

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3.2 Experimentelle Untersuchungen

3.2.1 Prinzipieller Versuchsaufbau
Als Schale für den Supraleiter wird styroporähnliches Material benutzt, da es gute isolierende Eigenschaften besitzt. Als Kühlmittel dient flüssiger Stickstoff, der in einen Spezialbehälter vorliegt. Seine Temperatur beträgt etwa -186(C (88 Kelvin) und er befindet sich nicht unter Druck. Als Schwebekörper dient ein Spezialmagnet, welcher bei minimaler Masse (1.9 g) eine maximale Feldstärke (0.130 Tesla) besitzt. Der Supraleiter selbst ist ein Cuprat (Yttrium - Barium - Kupferoxid), was bedeutet, daß seine Sprungtemperatur bei ca. 92 Kelvin liegt. Als Ergebnisse dieser Versuche erwarten wir, daß bei genügender Kühlung des Supraleiters der Magnet über diesem schwebt. Um die Veränderungen des Magnetfeldes während des Experimentes zu messen, standen uns drei Messsonden zur Verfügung. Zwei Sonden zum Messen der magnetischen Flußdichte und eine Sonde um die Temperaturabhängigkeit aufzuzeigen. Da die Magnetfelder stark inhomogen sind, werden beide Sonden auf Stativen befestigt. Um die gleichen Bedingungen für weitere Versuche aufrecht zu erhalten, wurden Magnet und Supraleiter über die B-Sonde gelegt. Ohne Kühlung wurde so ein Magnetfeld von 24 mT gemessen.


3.2.2 Durchführung
3.2.2.1 Grundversuch
Der Supraleiter wird in die Schale gelegt und der flüssige Stickstoff eingefüllt. Dieser beginnt, bedingt durch die Temperaturunterschiede zur Umgebung, sofort zu sieden und verdampft. Das Cuprat wird bis auf seine Sprungtemperatur von 92 Kelvin abgekühlt. Um diese aber über einen relativ langen Zeitraum aufrecht zu erhalten, muß in kurzen Zeitabständen Stickstoff aufgefüllt werden. Ist die Probe genügend gekühlt, lassen wir den Magneten vorsichtig darauf fallen. Er beginnt zu schweben. Im Normalfall, ohne weitere Kühlung, dauert dieser Zustand meist nicht länger als 20-22 Sekunden an. Danach bricht das supraleitende Verhalten zusammen, und der Magnet fällt herunter (siehe Anhang A).

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3.2.2.2 Meißner - Ochsenfeld - Versuch
In dieser Version wird der Magnet auf den ungekühlten Supraleiter gelegt. Der Magnet schwebt noch nicht. Darüber wird nun der flüssige Stickstoff gegeben. Ist das Cuprat genügend gekühlt, beginnt der Magnet zu schweben. Auffällig ist das der Abstand zwischen den beiden geringer als beim ersten Versuch ist. Der meßbare Zeitraum, sowie die Flußdichte verhalten sich ungefähr wie im obrigen Versuch.


3.2.2.3 Magnetfeld des Supraleiters ohne äußeres Magnetfeld
Wird der Supraleiter gekühlt und dann auf die Meßsonde gelegt, baut sich zu unserem Erstaunen ohne äußeres Einwirken des Dauermagneten ein magnetisches Feld auf. Die magnetische Flußdichte steigt steil bis zu ihrem Maximum (7.4 mT) an und fällt dann, nach Überschreiten der Sprungtemperatur, exponentiell ab. Offensichtlich ist die Erklärung für die hier entstanden Ströme nicht im Induktionsphänomen zu suchen. Vielmehr vermuten wir eine Erklärung im quantenmechanischen Bereich (siehe Anhang B).


3.2.2.4 Induktionsversuch am Supraleiter
Ziel dieses Versuches soll es sein, durch ein äußeres veränderliches Magnetfeld, ein Strom im gekühlten Supraleiter zu induzieren. Dazu bewegen wir den Dauermagnet mittels Pinzette auf den Supraleiter zu und wieder weg, ohne diesen jedoch zu berühren. Auch hier zeigt sich zu unserer Überraschung, daß sich die magnetische Flußdichte nur durch die Bewegung des Magneten veränderte, d.h. daß sich bei Annäherung das B - Feld nur kurzzeitig erhöht (15.5 mT) und dann wieder auf seinen Ursprungswert (7.6 mT) abfällt. Auch in diesem Versuch liegt die Theorie nahe, daß es zu keinem Induktionsvorgang kommt, da keine dauerhafte Änderung der magnetische Feldstärke im Supraleiter erfolgt (siehe Anhang C).

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3.3 Auswertung

3.3.1 Klassische Deutung der Versuchsergebnisse
Aufgrund unserer Ergebnisse ist es fraglich, ob die Magnetfelder im Supraleiter durch die Einwirkung eines äußeren Dauermagneten erzeugt werden. Wie in 3.2.2.3 und 3.2.2.4 zu sehen ist, baut sich auch ohne äußere magnetische Einwirkung ein Feld um das Cuprat auf. Dies würde bedeuten, daß Induktionsvorgänge keine Rolle spielen. Daher ist unserer Meinung nach die Erklärung im quantenmechanischen Bereich zu suchen. Dieses Ergebnis steht im Gegensatz zu den in vielen Schullehrbüchern aufgezeigten Theorien. In diesen wird das Schweben des Dauermagneten über dem gekühlten Supraleiter durch Induktion erklärt. Es heißt, daß die Annäherung des Magneten einer Änderung der magnetischen Feldstärke entspricht und Ströme im Cuprat induziert werden. Diese Ströme bauen ein Magnetfeld auf, das seiner Ursache entgegenwirkt. Durch diese abstoßende Wirkung soll der Magnet in der Schwebe gehalten werden. Der Meißner - Ochsenfeld - Versuch wird ähnlich erklärt, indem eine Symmetrie zwischen Stromfluß und Magnetfeld diskutiert wird, also ein konstanter Strom ein Ringmagnetfeld hervorruft und ein konstantes Magnetfeld, ab der Sprungtemperatur, einen Ringstrom hervorruft. Aus unseren Versuchsergebnissen ist allerdings zu vermuten, daß es zu einer Bildung der Cooper - Paare, nach Erreichen der Sprungtemperatur, auch ohne äußeres Magnetfeld kommt. Bedingt durch die Geometrie des Supraleiters ist der Leitungszustand stark instabil. Darum entwickelt sich von selbst ein schwacher Suprastrom, der ein Magnetfeld (siehe 3.2) hervorruft. Dieses Phänomen ist mit dem BCS - Modell nicht zu erklären. Eine modellhafte Deutung liefert das Spinwellenmodell, in welchem das Auftreten des Suprastroms als ein halbzahliges Vielfaches eines magnetischen Flußquantes gedeutet wird.

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3.3.2 Das Spinwellenmodell
Es zeichnete sich ab, daß die Symmetrie des supraleitenden Zustandes eine große Rolle spielt. Mit dieser Symmetrie ist eine Wellenfunktion gemeint, die diesen Zustand mathematisch beschreibt. Sie gibt unter anderem den Aufenthaltsort der Elektronen des Cooper - Paares, sowie die relative Bewegung der beiden zueinander an. Dominierend sind dabei die s - Wellensymmetrie und die d - Wellensymmetrie. Die s - Wellensymmetrie kann man sich als Kugelschale vorstellen. Ein Elektron liegt im Mittelpunkt und die Wahrscheinlichkeit des Aufenthaltsortes des zweiten Elektrons fällt exponentiell in alle Richtungen ab. Der dabei auftretende Zustand ist die höchstmögliche Form der Symmetrie. Diese Wellenfunktion ergibt sich vor allem bei dem BCS - Modell, läßt sich aber nicht ohne Probleme auf Hochtemperatursupraleiter (wie oben beschrieben) anwenden. Das d - Wellenmodell beschreibt einen etwas geringeren Symmetriegrad. Veranschaulichen kann man es sich durch vierblättrigen Klee. Dabei steht jeder Bereich (also jedes Blatt), für den Ort, an dem sich ein Partner des Cooper - Paares relativ zum anderen aufhalten kann. Jedes Kleeblatt hat außerdem ein anderes Vorzeichen (also zwei Bereiche mit positiven Vorzeichen und zwei mit negativen Vorzeichen). Der Vorteil dieser Theorie ist es, daß die Elektronenpaare nicht so eng gebunden sind und die gegenseitige Abstoßung so minimiert wird. Douglas J. Scalapino stellte ein Modell auf, das der d - Wellensymmetrie genügt. Um die Cooper - Paarbildung in diesem Fall zu erklären, werden Spinwellen herangezogen. Man bedient sich der Tatsache, daß jedes Teilchen einen Spin besitzt. Dieser Theorie nach beeinflußt eine bewegte Ladung (Elektron) die Spinorientierung eines benachbarten Ions im supraleitendem Material. Dadurch entsteht eine magnetische Störung oder Spinwellenfluktation, d.h. der Spin des Ions kippt um. Dieses wiederum beeinflußt den Spin seines Nachbarions, das nun ein Elektron mit entgegengesetztem Spin anziehen kann. Dieses Elektron kippt wiederum den Spin eines Ions um usw. Bildlich könnte man sich ein Elektron vorstellen, dessen Sog ein anderes mitzieht. Somit kann es zur Bildung eines Cooper - Paares kommen, und die in der klassischen Theorie beschriebenen Mechanismen treten ein. Allerdings zerschlugen sich die Hoffnungen der Wissenschaftler, daß die Symmetrie des supraleitenden Zustandes eindeutig auf die richtige Theorie verweist, da mittlerweile mehrere Möglichkeiten bekannt sind, bestimmte Symmetrien zu erzeugen. Trotzdem sucht man heutzutage nach Möglichkeiten, bestimmte Wellenmodelle zu beweisen, da dadurch die Anzahl der möglichen Theorien eingeschränkt würde. Bei dem d - wellensymmetrischen Zustand wurde erst kürzlich mit Erfolg versucht, die unterschiedlichen Vorzeichen der Kleeblätter nachzuweisen. Keine leichte Aufgabe, da Ergebnisse vieler Experimente theoretisch auch mit dem s - Wellenmodell vereinbar gewesen wären. Erste Hinweise fand schon Dieter Wohlleben 1993 an der Universität Köln. Bei diesem Verfahren bedient man sich der Tatsache, daß ringförmige Supraleiter in der Lage sind, in dem von ihm umschlossenen Raum Magnetfelder einzuschließen und zwar in Form von Feldlinienbündeln - Flußquanten. Solch ein Bündel ist als Tunnel vorstellbar. Seine magnetische Flußdichte, d.h. die magnetische Feldstärke multipliziert mit der vom Tunnel eingeschlossen Fläche, ist eine fundamentale Naturkonstante h/2·e, wobei h das Plancksche Wirkumsquantum ist und e die Elemtarladung. Supraleiter mit s - symmetrischer Wellenfunktion schließen nur ganzzahlige Vielfache des Flußquantums ein, da in dieser absolut gleichmäßigen Form keinerlei Vorzeichenwechsel erfolgt. Bei d - Wellensymmetrie können, bedingt durch den Vorzeichenwechsel, auch halbzahlige Vielfache eingeschlossen werden. Konkrete Indizien dafür zeigten Dave Wollman und Dale Van Harlingen (Universität Illinois) erst kürzlich auf, die erste Beobachtung solcher halbzahligen Flußquanten gelang IBM in noch jüngerer Vergangenheit. Dabei wurden Yttrium - Barium - Kupferoxid Materialien verwendet. Diese zwei Theorien stehen nur für einen Bruchteil der heute bekannten. So gibt es noch Exzitonen-, Plasmonenmodelle u.v.a. Es kann aber gesagt werden, daß keine der heute gebräuchlichen Vorstellungen eine Supraleitung bei Zimmertemperatur ausschließt. Besonders mit dem Spinwellenmodell ließe sich, nach Meinung vieler Wissenschaftler, eine Supraleitung oberhalb der 0(C Marke durchaus realisieren. Die Frage ist nur wann. Hoffnungen geben dabei neuartige organische Verbindungen, die Supraleitung bei immer höheren Temperaturen ermöglichen soll. Es liegen aber zum jetzigen Zeitpunkt noch keine konkreten Ergebnisse und Zahlen vor. Kommen die Forschungen auf diesem Gebiet aber weiterhin so voran, werden Anwendungen dieser Technik für die Wirtschaft sicherlich immer interessanter.


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(c) ERG Saalfeld, Oliver Otto, letztes Update: 11.02.1998